Wie mein Hund die Magendrehung überlebte

Noch einmal schaue ich in die Vergangenheit, denke an die schlimmsten Tagen meines Lebens zurück, lasse euch an meinen Gedanken und Gefühlen teilhaben und möchte euch, auch wenn nur ein bisschen die Angst vor solch einer Situation nehmen. Immer habe ich aufgepasst, dass Finn und Samu nach dem Essen mit vollem Magen nicht springen, rennen oder spielen. Nach jedem Essen war Ruhe angesagt und darauf achtete ich wirklich Millimeter genau. Das Risiko einer Magendrehung war mir einfach zu hoch. Immer mal wieder schoss mit der Gedanke einer Magendrehung in den Kopf , aber so wirklich befasst habe ich mich nie damit, warum auch, ich achtete ja darauf, dass meine 2 sich mit vollem Magen ausruhen konnten…

Den genauen Grund wieso Finn eine Magendrehung hatte, kann man nicht herausfinden. Er hatte weder einen vollen Magen, noch hatte er mit Samu gespielt. 3 Tage plagten ihn eine Magen-Darm-Erkrankung. Mal mehr, mal weniger. Dennoch hatte er immer großen Hunger und freute sich auf seine Mahlzeiten am Tag. Auch sein Allgemeinzustand war top. Er war fit, spielte mit Samu und wir gingen ganz normal unsere Runden laufen. Sonntagmorgens ging es Finn plötzlich nicht so gut. Ich hatte das Gefühl er hatte Bauchweh und ihm sei übel. Beim Tierarzt angekommen wurde er gründlich durchgecheckt, bekam Medikamente gespritzt und Schonkost verordnet. Zu Hause angekommen, machten wir uns gleich ans Kochen von Kartoffeln und Fleisch, sodass es Finn schnell wieder besser gehen würde.


Von Stunde zu Stunde ging es Finn schlechter. Er wollte nichts mehr essen und trank sehr viel. Im Garten entfernte er sich zusehends von uns. Ich tastete immer wieder seinen Bauch ab, ja etwas dicker und härter war er oder fühlt er sich auch sonst so an? Ich konnte nicht sagen ob das der Normalzustand gewesen ist, aber irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl dabei. Er lief durch den Garten und suchte sich einen Platz um sich auszuruhen. Dort blieb er liegen und wollte nicht mehr aufstehen. Panik machte sich in mir breit. Ich fühlte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Sind das die Anzeichen einer Magendrehung? Oder hatte er einfach nur Bauchweh und möchte seine Ruhe? Ist sein Bauch immer so? Drehe ich durch oder reagiere ich völlig zu Recht?! Ich bereitete das Auto für die Fahrt vor, den es gefiel mir nicht wie Finn sich benahm und dass er so leiden musste.

Kurz bevor wir ins Auto einstiegen, wollte Finn sich übergeben… doch es kam nichts. Durch meinen Kopf schoss nur ein einziger Gedanke. „ Wir müssen es bis in die Tierklinik schaffen“. Im Auto rief ich zum zweiten Mal in der Klinik an, dass mein Hund versucht hat sich zu übergeben und nichts mehr geht. Finn stand hinter mir auf dem Rücksitz und war so unruhig wie noch nie! Er quietschte und krümmte sich. Er kratzte das Handtuch in seiner Box immer wieder weg und versuchte sich zu übergeben…


In der Klinik angekommen wurde er gleich geröntgt. Als die Ärztin uns ins Zimmer rein rief, sagte sie der Magen ist fast gedreht, es fehle nicht mehr viel bis er ganz gedreht ist. In meinem Kopf schrie ich „TUN SIE DOCH WAS“. Doch da sagte Sie schon „Finn muss not operiert werden, wir bereiten jetzt alles vor.“

Ich stand im Behandlungsraum irgendwie außerhalb meines Körpers. Ich stand einfach nur da, sah die Ärztin, die Helferinnern, meinen Freund und Finn. Alles zog an mir vorbei. Ich nahm die Stimmen um mich herum nur noch unterbewusst war. Mein letzter laut gesprochener Satz war „ Ich bleib solange da, bis Finn in Narkose ist, ich lass ihn NICHT allein.“

Nachdem Finn in Narkose lag, musste ich ein Formular ausfüllen mit unseren Daten. Im Nachhinein wusste ich nicht mal mehr ob ich die richtige Handynummer angegeben hatte. Die Helferinnen baten uns nach Hause zu fahren. Als wir aus der Klinik liefen, konnte ich mich nicht mehr halten und fing an zu weinen und zu schreien. Mein Freund redete mir gut zu und versuchte mich zu beruhigen. Ich rief meine Eltern an und erzählte ihnen alles. Die Heimfahrt gestaltete sich ziemlich ruhig. Das einzige was wir uns gegenseitig dauernd sagten war, dass Finn jung ist und die OP gut verkraftet.

Hätte ich es früher merken sollen? Dann wären wir früher in der Tierklinik gewesen! Dann hätte ich ihm die Schmerzen und das Leid ersparen können. Aber es ging alles so schnell und wir versuchten so schnell wie möglich zu handeln. Dennoch ließen mich die Gedanken und Schuldgefühle gegenüber Finn nicht los…

Zu Hause angekommen wartete ich sehnsüchtig auf den Anruf der Tierklinik. Stunden vergingen wo ich an nichts anderes als an Finn dachte… War es 16 oder 17 Uhr als Finn operiert wurde? Ich wusste es nicht… Ich wusste nur es ist 20:15 Uhr und noch keiner hat sich gemeldet. Habe ich doch die falsche Nummer dort gelassen? Sollte ich anrufen? Ich möchte aber die Notfallnummer nicht blockieren.

Um 20:30 kam endlich der erlösende Anruf. Finn hat die OP gut überstanden! Er musste allerdings schnell aus dem OP wieder raus, da der nächste Notfall kam. Ich war erleichtert, müde, fertig mit den Nerven und einfach nur platt. Zum Auskurieren und überwachen musste Finn, 3 Tage in der Klinik bleiben.


Wie sich Finn erholten konnte und warum er nochmals 14 Tage später, 2 Stunden lang operiert werden musste, könnt ihr bald in Teil 2 – Wie mein Hund die Magendrehung überlebte – lesen.

22 Ansichten